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Imperium

 

Samstag 26. Mai 20:00

    Thalia in der Gaußstraße

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Nudist, Vegetarier und Frühhippie: 1902 macht sich August Engelhardt auf nach Deutsch-Neuguinea und kauft eine Kokosplantage. Abseits der westlichen Zivilisation will er ein naturverbundenes Leben führen. Er entwickelt seine Philosophie des Kokovorismus, ernährt sich von Kokosnüssen und versteigt sich in die These, diese vollkommene Frucht führe den Menschen in einen gottähnlichen Zustand – mit der Gründung seines eigenen Reichs will er seine Anhänger und die Menschheit erlösen. Christian Kracht hat sich mit seinem vierten Roman des Lebens des Aussteigers und Religionsstifters angenommen. „Imperium“ erzählt von Einsamkeit und Fanatismus eines barfüßigen Utopisten und lässt die Abgründe Europas im bevorstehenden 20. Jahrhunderts erahnen. Regisseur Jan Bosse adaptiert den modernen wie grotesken Abenteuerroman für das Thalia Theater, das utopische Moment und das Imperium Engelhardts entstehen auf der Bühne als eine eigene Welt.

„Wachet auf aus eurer Lethargie, ihr Vegetarier, und setzt an Stelle eurer Sehnsucht, die das Paradies in weiter, weiter Ferne sieht, die mutige Tat: Schnürt euer Ränzel, packt die Koffer, steigt aufs Schiff und ziehet ein ins Reich der Kokospalme, in den Palmentempel des Fruktivorismus! Ziehet ein ins Sonnenland, um Sonnenkinder zu werden.“ August Engelhardt

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verlässt August Engelhardt die mit Macht in die Moderne aufbrechende westliche Zivilisation, besteigt ein Schiff und macht sich auf in die Südsee nach Deutsch-Neuguinea. Der Frühhippie, überzeugter Nudist und Vegetarier will dort in der deutschen Kolonie sein tropisches Weltreich des Fruktivorismus begründen. Auf Kredit kauft er die Insel Kabakon, mit Kokosplantage und Bewohnern. Seine Heilslehre, der Kokovorimus, beruht auf der Überzeugung, die Kokosnuss sei die vollkommene Frucht, der Sonne am nächsten und biete als ausschließliche Nahrungsquelle dem Menschen die Möglichkeit, einen gottähnlichen Zustand zu erreichen.

Christian Kracht erzählt in seinem Roman „Imperium“ vom Werde- und Niedergang eines bizarren Aussteigers. Mit gleichermaßen nüchternem Erzählton eines Reiseberichts wie praller, barocker Ausschmückung eines anekdotischen Abenteuerromans – sich dabei üppig historischer Ereignisse wie auch Lebensdaten von Personen der Zeitgeschichte bedienend – betreibt Kracht ein elegantes Spiel mit Fiktionalisierung von der Kolportage bis zur Camouflage und ruft auf irritierende Weise brisante Fragen nach Zusammenhängen zwischen Utopie und Fanatismus wach. Denn während sich weit, weit weg ein Weltverbesserer auf seinem Weg zur Erlösung in die Paranoia verirrt, entwickelt sich das übrige Weltgeschehen in dramatischer Weise und bereitet den Boden, für einen anderen Vegetarier, dem Massen in ihren eigenen Untergang folgen werden.

„Der Kolonialismus ist hier eine bizarre Farce, eine ethische, moralische und menschliche Sackgasse. Lustige Dialoge, viel Klamauk und tolle Schauspieler sorgen zwei Stunden für beste Unterhaltung!“
Mopo

Imperium
nach dem Roman von Christian Kracht
in einer Fassung von Jan Bosse, Gabriella Bußacker und dem Ensemble
Regie Jan Bosse

Tickets & weitere Infos!

Foto: Copyright Armin Smailovic

Veranstaltungsort

Thalia in der Gaußstraße
Gaußstraße 190
22765 Hamburg
Telefon:
040-32814444
Webseite:
http://www.thalia-theater.de